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Ins Leben gerufen wurde der bistumsweite Dialog vom Katholikenrat auf Initiative der Deutschen Bischofskonferenz und des Zentralkomitees der deutschen Katholiken.

Bischof Dr. Wiesemann ließ sich darauf ein. Mit dieser gemeinsamen Initiative wird der Versuch unternommen, angesichts der derzeitigen Kirchensituation verlorenes Vertrauen zurück-zugewinnen und sich den Herausforderungen der Gegenwart zu stellen.

dialog brueckeSymbol des Dialogprozesses, der am 3. September 2011 in der Vollversammlung des Katholikenrates zusammen mit dem Bischof gestartet wurde, ist eine Brücke.
Der Dialogprozess im Bistum Speyer ist auf drei Jahre angelegt und wird auf der Ebene der Gemeinden, Pfarrverbände, der Orden, Geistlichen Gemeinschaften und der Verbände ge-führt. Eng verknüpft ist dieser Dialog mit den Diskussionen um das Diözesanpastoralkon-zept „Gemeindepastoral 2015“, die auf allen Ebenen und in allen Strukturen des Bistums ge-führt werden.
Gemeinsam mit der Vorsitzenden des Katholikenrates lud Bischof Dr. Wiesemann im Januar 2012 alle Vorsitzenden der Pfarrgemeinderäte und alle Diözesanvorsitzenden der Verbände, Orden und Geistlichen Gemeinschaften ein, Zukunftsbriefe zu schreiben.
Grundlage der Zukunftsbriefe sind drei Leitfragen, die nach Möglichkeit schon im Dialog auf unterster Ebene erarbeitet werden sollen. Dabei sollen Hoffnungen und Erwartungen, aber auch Sorgen und Ängste dargelegt werden.

      1. Christen leben aus dem Geist Gottes.
        Was sind meine geistlichen Kraftquellen?
      2. Kirche wirkt in die Gesellschaft hinein.
        Was ist unser Beitrag vor Ort?
      3. Kirche ist als Volk Gottes unterwegs.
        Was ist in den nächsten zehn Jahren wichtig für unseren Weg, als „Pfarrei 2015“, als Ge-meinschaft, als Verband?

Die Briefe der Pfarrgemeinderäte sind an den Bischof adressiert und werden an den Vorstand des Katholikenrates zur Kenntnis weitergeleitet. Die Aussagen aus den Zukunftsbriefen werden nach Pfarrverbänden zusammengefasst und dienen als Diskussionsgrundlage bei den Dialogabenden im jeweiligen Pfarrverband.
Die Dialogabende finden zwischen August 2012 und Juni 2013 statt.
Teilnehmer dieser Abende sind als Veranstalter der Bischof und jeweils zwei Personen aus dem Vorstand des Katholikenrates sowie der Generalvikar und der Seelsorgeamtsleiter. Eingeladen sind der Pfarrverbandsrat und weitere Mitglieder aus den Pfarrgemeinderäten, wobei jeder Pfarrgemeinderat mit drei Personen vertreten sein soll. Alle Mitglieder des Katholikenra-tes sind in ihrem Heimat-Pfarrverband teilnahmeberechtigt.
Neben den 24 Dialogabenden in den Pfarrverbänden finden noch weitere Dialogveranstaltun-gen statt, unter anderem mit den Orden und Geistlichen Gemeinschaften, mit den Erwachsenen- und Jugendverbänden und weiteren Gruppen, die Zukunftsbriefe geschrieben haben.
Für das erste Quartal 2014 sind dezentrale Jugendforen geplant, gemeinsam vorbereitet von Bischof, der Abteilung Jugendseelsorge im Ordinariat, dem BDKJ und dem Sachausschuss „Lebenslagen junger Menschen“ des Katholikenrates.
Nach Abschluss aller Dialogabende sind in lockerer zeitlicher Folge zentrale Veranstaltungen mit dem Bischof, weiteren Vertretern der Bistumsleitung, des Katholikenrates und externen Experten zu ausgewählten Einzelthemen geplant, die sich in den vorangegangenen Dialogphasen herauskristallisiert haben oder die bislang nur unzureichend behandelt werden konnten. Für die Durchführung sind verschiedene Partner denkbar (z.B. Erwachsenenbildung, Katholische Akademie, Heinrich-Pesch-Haus).

Zwischenbericht Stand: 31.01.2013

Über 170 Zukunftsbriefe von Pfarrgemeinderäten, Verbänden, Orden, Geistlichen Gemein-schaften, von „Wir sind Kirche“ und dem Frauenforum des Bistums sind bisher eingetroffen. Von 27 Dialogabenden fanden vierzehn Termine mit Pfarrverbänden statt.Zusammengerechnet nahmen etwa 700 haupt- und ehrenamtliche Personen daran teil. Die Abende weisen trotz einiger unterschiedlicher Akzentsetzung viele Gemeinsamkeiten auf.

Am meisten Übereinstimmung gibt es zu Frage 1. Kraft schöpfen die Menschen vor Ort vor-wiegend aus Gottesdiensten, Bibellesungen und der Erfahrung von Gemeinschaft. Da stellt sich dann auch schon sehr direkt der Bezug zu Antwort 3 her. Man befürchtet vielerorts, dass diese Kraftquellen angesichts der immer größer werdenden Seelsorgeeinheiten nicht mehr so gut erfahrbar sein werden, und man mahnt an, dass bei allen strukturellen Ver-änderungen Kirche nah bei den Menschen bleiben muss.

Zur Frage 2: Als Beitrag vor Ort in Bezug auf das Wirken in die Gesellschaft werden fast immer die Kindertagesstätten, Pfarrbüchereien und andere soziale Einrichtungen genannt - auch da mit der Sorge, dass Kirche sich nicht zurückziehen darf. Erwähnt werden das Glaubenszeugnis vieler Menschen in einer säkularen Welt und die Präsenz von Hauptamtlichen in der Öffentlichkeit. In der Gesellschaft werden Aktionen im Kinder- und Jugendbereich (wie z.B. Sternsinger, 72-Stunden-Aktion) als Beitrag positiv herausgestellt.

Bei Frage 3 geht es häufig um ganz konkrete Anfragen zum Konzept „Gemeindepastoral 2015“, so zum Beispiel zu den vorgeschriebenen Standards für die drei Grunddienste, die viele Menschen als sehr einengend und streng kontrollierend empfinden. Eine dringende Bitte, die an allen Dialogabenden genannt wird, ist die Möglichkeit des Kommunionempfangs wäh-rend einer Wort-Gottes-Feier.
Große Sorge bereitet den Menschen in den Pfarreien und Gemeinden, dass die Pfarrer durch Verwaltungsaufgaben überlastet sind und nicht mehr genügend zu ihrem eigentlichen Seel-sorgeauftrag kommen. Die vom Bistum vorgesehenen Verwaltungsstrukturen werden als nicht ausreichend empfunden. Bei vielen Fragen zur „Gemeindepastoral 2015“ wird deutlich, wo in der Gemeinde vor Ort der Schuh drückt. Viel ist von Unsicherheit und Ängsten zu spüren. Man wünscht, dass die Gemeinde vor Ort gestärkt wird. Gleichzeitig sieht man auch eine Chance, wenn man sich auf neue Wege einlässt. Für viele Ehrenamtliche ist es wichtig, Anerkennung, Wertschätzung und Förderung zu erfah-ren. Sie wünschen, dass die Priester auf Augenhöhe mit ihnen arbeiten. Des Weiteren werden bei Frage 3 mit großer Ernsthaftigkeit Themen wie die Zulassungsbedingungen zum Priesteramt, die Rolle der Frau in der Kirche, der Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen und die zögerliche Entwicklung der Ökumene angesprochen. Oft ver-bindet sich damit der Wunsch, dass der Bischof sich dazu klarer positionieren sollte und ein Signal der Bereitschaft senden möge, Wünsche und Anliegen, die sich auf diözesaner Ebene nicht erfüllen lassen, an höherer Stelle vorzutragen. Nach den Dialogabenden können Rückmeldebogen ausgefüllt werden. Obwohl die Antworten wegen einer relativ geringen Rücklaufquote als nicht repräsentativ bezeichnet werden können, kommt zum Ausdruck, dass für viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer an den Dialogabenden dieser Prozess für den Augenblick hilfreich ist. Positiv wird von Menschen, die erst-mals die Gelegenheit des direkten Austausches mit dem Bischof haben, wahrgenommen, dass dieser die ihm anvertrauten Sorgen ernst nimmt und ehrlich antwortet. 

Nicht einheitlich ist die Bewertung, ob der Dialogprozess wirklich etwas ändert. Auf diesem Gebiet bleiben noch viele Fragen offen, denn noch lassen sich keine konkreten Ergebnisse ablesen. Diese sind aber unbedingt nötig, wenn es zu einer Chance des Aufbruchs kommen soll, den die Kirche so dringend braucht.