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[Bistumsleitung und Katholikenrat wollen offenen Dialog. Unser Bild zeigt Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann und Katholikenrats-Vorsitzende Maria Faßnacht. Foto: rn] Auf verschiedenen Ebenen kommt der Dialogprozess in der katholischen Kirche in Gang. Die Arbeit an den beiden zwischen der Deutschen Bischofskonferenz und dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) vereinbarten Projekten im Dialogprozess ist angelaufen: in der Projektgruppe „Priester und Laien in der Kirche“ sowie in der Projektgruppe „Präsenz der Kirche in Gesellschaft und Staat“. An diesem Dialogprozess beteiligt sich auch das Bistum Speyer. Er ist verzahnt bzw. ergänzt die Entwicklung des diözesanen Zukunftskonzeptes „Gemeindepastoral 2015“. Wir haben mit Maria Faßnacht, der Vorsitzenden des Speyerer Diözesan-Katholikenrates, über die gegenwärtigen Entwicklungen gesprochen.

Lesen sie hier das vollständige Interview!

 

 

Frau Faßnacht, eine Befragung im Rahmen des ZDF-politbarometers hat vor wenigen Tagen ergeben, dass mehr als 80 Prozent sich Reformen in der Kirche wünschen; unter den Kirchgängern – der kirchlichen „Kerngruppe“ also – sind es immerhin noch mehr als 60 Prozent. Das Thema Zölibat brennt laut Umfrage den Katholiken besonders unter den Nägel. Überrascht Sie das Ergebnis der politbarometer-Umfrage?

Nein, das Ergebnis überrascht mich  nicht. Unsere Kirche befindet sich, ausgelöst durch die Missbrauchsfälle, in einer schweren Vertrauenskrise. Die betrifft nicht nur Menschen, die sich ohnehin schon lange innerlich von Kirche distanziert haben, sondern auch unsere „Kerngruppe“, die  große Angst vor „verwaisten“ Gemeinden hat, in denen die Kirche in Gefahr ist, die Nähe zu den Menschen zu verlieren. Da ist es selbstverständlich, dass auch über die Zulassungsbedingungen zum Priesteramt nachgedacht wird und dass sich viele Menschen Veränderungen in Bezug auf Pflichtzölibat und Leitungsaufgaben für Frauen wünschen.

Im Zusammenhang mit dem Prozess „Gemeindepastoral 2015“ arbeiten Sie als Vorsitzende des Katholikenrates in der diözesanen Arbeitsgruppe „Pastorale Räte” an der Konzeptentwicklung mit. Sind Sie mit den bisherigen Ergebnissen zufrieden?

Für das Gelingen des gesamten Prozesses  ist die Arbeit der Arbeitsgruppe (AG) „Pastorale Räte“ sehr wichtig, das spürt man auch aus den vielen Rückmeldungen der Rätetagungen. Die Menschen haben die große Sorge, dass Kirche vor Ort ihren Stellenwert einbüßt, wenn es die „Großpfarrei“ gibt. In dieser Beziehung hat unsere AG schon sehr gute Arbeit geleistet, sicher nicht zuletzt deshalb, weil wir als Ehrenamtliche unsere eigene Sichtweise einbringen konnten. Wir sind uns alle einig, dass es auf der Ebene der Gemeinde weiterhin ein gewähltes Gremium geben muss, an deren Satzung wir arbeiten. Über den Namen dieses Gremiums müssen wir uns noch weiterhin Gedanken machen, denn der Arbeitstitel „Gemeindeausschuss“ drückt dessen Kompetenz nicht stark genug aus.  Für den Rat auf Pfarreiebene haben wir uns für den Begriff „Pfarreirat“ entschieden.

Welche Bereiche und Themen müssten in Ihren Augen noch stärkere Beachtung finden?

Es gibt viele offene Fragen, die uns aus den Sorgen der Rückmeldungen aus den Rätetagungen sowie auch aus vielen Leserbriefen unserer Bistumszeitung deutlich werden, wie zum Beispiel die Frage nach der Leitung  und Ansprechperson einer Gemeinde, nach dem Kompetenzspielraum des Gemeindeausschusses in Bezug auf Finanzen und Vermögen, nach  der Vernetzung der „Gemeindeausschüsse“ mit den Verwaltungsräten und Pfarreiräten und nach der Mitarbeit von Ehrenamtlichen im Pastoralteam der Pfarrei.  In dieser Beziehung haben wir Laien noch viel Gesprächsbedarf.

Sind Sie mit der Einbindung der Laien zufrieden?

Ja. Im letzten Herbst fand das dreitägige Diözesane Forum statt, bei dem der Katholikenrat die zahlenmäßig stärkste „Fraktion“ bildete. Wir erlebten dabei eine Diskussion „auf Augenhöhe“ und spürten, dass unsere Sorgen und Ängste in der Bistumsleitung wahrgenommen wurden. Nicht zuletzt auf Initiative des Katholikenrates wird es bereits im kommenden August ein weiteres Diözesanes Forum geben, bei dem es nicht mehr um Strukturen, sondern um inhaltliche Themen gehen muss. Nach den guten Erfahrungen aus dem ersten Diözesanen Forum bin ich sehr zuversichtlich, dass die Stimme der Laien noch auf vielen Stationen bis 2015 gehört wird.

Bei der Vollversammlung des Diözesan-Katholikenrates am 2./3. September in Neustadt fällt der Startschuss zu einem breit angelegten, mehrjährigen Dialogprozess, den die Bischofskonferenz und das Zentralkomitee der deutschen Katholiken angeregt haben. Bischof Dr. Karl Heinz Wiesemann, der an der Herbstversammlung des Laiengremiums teilnehmen wird, und der Speyerer Katholikenrat haben gemeinsam eine Beteiligung des Bistums an dieser Dialoginitiative beschlossen. Welche Themen sind Ihnen da besonders wichtig?

Ich sehr froh, dass Bischof Dr. Wiesemann  spontan darauf eingegangen ist, den bundesweiten Dialogprozess zusammen mit dem Katholikenrat auf unser Bistum herunter zu brechen. Dabei darf es keine Tabuthemen geben. Alle Bereiche, die den Menschen am Herzen liegen und die es ihnen oft schwer machen, treu zur Kirche zu stehen, müssen angeschnitten werden dürfen. Eine große Herausforderung wird es sein, im ganzen Bistum möglichst viele Menschen in diesen Dialogprozess einzubeziehen, damit deutlich werden kann: Wir alle tragen als Volk Gottes Mitverantwortung, dass unsere Kirche als menschenfreundlich und barmherzig wahrgenommen wird, und  dass wir uns eine Kirche wünschen, in  der Menschen sich beheimatet fühlen und Zeugnis in und für die Welt geben.

Wir könnten uns denken, dass ganz konkret die im November neu gewählten Pfarrgemeinderäte besonders eingebunden werden. Es wird wahrscheinlich regionale Dialogveranstaltungen mit unserem Bischof geben, eventuell sogar auf Pfarrverbandsebene. Wichtig wird sein, dass alle Gespräche in einem Klima der gegenseitigen Wertschätzung stattfinden. Gemeinsam wollen wir eine hörende und lernende Kirche sein.

Wo gibt es Schnittmengen zwischen dem diözesanen Prozess „Gemeindepastoral 2015“ und der bundesweiten neuen Dialoginitiative?
Wir müssen die bundesweit neue Dialoginitiative in Bezug auf die „Gemeindepastoral 2015“ aufgreifen und fruchtbar machen. Es geht nicht an, dass wir zwei verschiedene „Dialoge“ führen, als hätten sie nichts miteinander zu tun. Eine Schnittstelle ist zum Beispiel die Beteiligung und Verantwortung von Laien. Es muss neu geklärt werden, wie gläubige Christen und Christinnen an dieser Kirche mitwirken können, indem man ihnen aufgrund ihrer Taufe und Firmung zutraut, selber Verantwortung in ihrer Kirche zu übernehmen. Betätigungsfelder dazu gibt es genug. Ohne sie wird es auf Dauer kaum mehr lebendige Gemeinden geben. Ein solches Thema wird sicher in einem der nächsten Diözesanen Foren diskutiert, damit ist der Zusammenhang zwischen beiden Dialoginitiativen schon hergestellt. Weitere Schnittmengen gibt es sicher viele. Ich denke dabei auch an die Ökumene, an den Umgang mit geschiedenen Wiederverheirateten und an die Stellung der Frauen in der Kirche.

Welche Hoffnungen verbinden Sie mit dem Ergebnis?

Ich verbinde zunächst die Hoffnung, dass viele Menschen, auch solche, die sich bereits innerlich von der Kirche entfernt haben, spüren, dass es der Kirche sehr ernst ist, einen neuen Aufbruch zu wagen. Und schließlich wünsche ich mir vor allem auch Konsequenzen aus dem mehrjährigen Dialogprozess. Es wäre meiner Meinung nach fatal, wenn zwar über alles gesprochen werden durfte, dann aber alles beim Alten bleibt.

Wie soll von Seiten des Katholikenrates der Dialogprozess kommuniziert werden?

Dazu gibt es sicher mehrere Möglichkeiten. Unsere Katholikenrats-Homepage könnte ein Internetforum anbieten, in das sich viele interessierte Menschen aktiv einbringen könnten. Wir wären zudem dankbar, wenn unsere Bistumszeitung den Dialogprozess – sowohl auf der pilger-Homepage als auch in der gedruckten Ausgabe – intensiv begleiten würde. Gute Erfahrungen in dieser Beziehung gibt es ja bereits aus der sehr informativen Berichterstattung zum Prozess „Gemeindepastoral 2015“. Beiträge, Leserbriefe, Gäs-tebuch, Chat bieten da ein breites Spektrum.  

(Interview: Norbert Rönn)

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