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Statements der Teilnehmer/-innen des Katholikenrates an den Dialogtagen in Hannover

Das und die Selbstverpflichtung der Bischöfe, weiter an den Themen  „Wiederverheiratete Geschiedene“ und „Frauen in der Kirche“, dran zu bleiben, macht Hoffnung für die Zukunft, auch wenn ich es sehr bedauere, dass der Frauendiakonat anscheinend immer noch ein Tabuthema ist. Positiv nehme ich weiter mit, dass mit dem großen Themenbereich Diakonie klar der Fokus auf unsere Verantwortung in der Welt gerichtet war.

Übereinstimmung herrschte, dass Kirche eine dienende Kirche sein muss, die nur dann glaubwürdig ist, wenn sie sich für Benachteiligte, und zwar in jeder Beziehung -  bei uns und  weltweit – einsetzt. Gefreut hat es mich, dass dabei auch eine Versöhnung der Kirche mit Donum Vitae angemahnt wurde.
Sorge bereitet mir, dass vieles sich noch sehr mühsam und schleppend gestaltet. Es sind sicher nicht Gottes Mühlen, die sehr langsam mahlen, aber die seines irdischen Bodenpersonals. Immer wieder wird uns vermittelt, dass die Kirche keine Demokratie sein kann und wir nicht nach der Arbeitsweise eines Parlamentes mit Abstimmungen zu Ergebnissen kommen können.  Aber der Dialogprozess in unserer Kirche braucht auch konkrete Ergebnisse – und das nicht am St. Nimmerleinstag, sondern sehr bald, damit unsere  Kirche wieder an Glaubwürdigkeit und Strahlkraft gewinnt.

Felix Goldinger
Der in Mannheim begonnene Dialog wurde in Hannover in offener und wertschätzender  Weise fortgeführt. Leider sind aber auch bei diesem Jahrestreffen die viele Themen, die wir Delegierte einbringen konnten, nur unkonkret besprochen worden. So konnten zwar viele Einzelthemenen (die Rolle der Frau in der Kirche, insbesondere die Diakonenweihe für Frauen, der Umgang mit wiederveheiratet Geschiedenen oder die Stellung der Kirche zur Homosexualität) benannt werden, ein intensiven Austausch ließ das Format der Veranstaltung aber nicht zu.
Umso mehr haben mich die Bemühung der Bischöfe nach dem Mannheimer Treffen überrascht: der Umgang mit für die Kirche problematischen Biographien wurde von den Bischöfen sehr ernsthaft beraten und anstehende Entscheidungen wurden nun in Hannover angekündigt. Mehr Transparenz in diesen Entwicklungen würde den ganzen Gesprächsprozess aber noch dynamischer machen.
Darüber hinaus wünsche ich mir, dass die Möglichkeit der Mitbestimmung und das Miteinander von Priestern und Laien in der Leitungsverantwortung, die ich in den Jugendverbänden erlebe, zum Modell für die ganze Kirche wird: Nur in einem geschwisterlichen Dialog auf Augenhöhe können wir die vielen strukturellen und gesellschaftspolitischen Herausforderungen meistern! Hannover war ein kleiner, aber nächster Schritt in die richtige Richtung!

Alfred Lenz
Die Methode bei den diesjährigen Dialogtagen schien mir auch wegen der Moderation strittig und ich konnte nicht erkennen, dass sie sehr zielstrebig war. Insgesamt gesehen war das aber zweitrangig für mich. Inhaltlich gab es wenig Neues gegenüber Mannheim. Für mich hat der Erwartungsdruck dadurch noch zugenommen. Im gesellschaftlichen Bereich wurde deutlich: Ehrenamtliche sind autark und können ohne Einschränkung handeln. Aber bei fast allen innerkirchlichen Reformvorschlägen ist eine große Ohnmacht und Hilflosigkeit spürbar, da die Bischöfe keine verbindlichen Zusagen machen. So kommt z. B. beim Umgang mit geschiedenen Wiederverheirateten und bei der Eigenverantwortlichkeit der Laien verbindlich wenig zum Tragen. Ich sehe eine Diskrepanz zwischen den Worten der Bischöfe und Theologen und der Wirklichkeit.

Irene Wimmi
Freude am Anfang: Wir können es noch! So ehrlich und unbefangen miteinander sprechen, wie wir es in Mannheim 2011 getan haben, obwohl in der Runde der 300 zahlreiche Kleriker und Laien zum ersten Mal dabei waren. Die heißen Themen lagen sofort wieder auf den Tischen. In drei ermutigenden Impulsreferaten von Bischof Bode, Bischof Overbeck und Kardinal Marx zeigte sich, wie intensiv die Bischofskonferenz dabei ist, ihre „Hausaufgaben“ zu bearbeiten.
In den letzten Jahrzehnten oder Jahrhunderten war es in der Kirche üblich, dass eine Ebene/Gruppierung überlegt und dann an eine oder mehrere Andere Anweisungen oder Forderungen erteilt – die dann gut oder schlecht aufgenommen werden. Seit letztem Jahr schauen ganz unterschiedliche Hierarchieebenen und kirchliche Gruppen die Situation GEMEINSAM an und tauschen ihre Blickwinkel aus. Das hat die Chance, dass Ergebnisse oder Konsequenzen ganz anders „aufgenommen“ oder auf andere Art entwickelt werden.
Die Methoden, mit denen die drei Moderatoren durch die Versammlung führten, mögen für Wirtschaftsunternehmen geeignet sein. In der Versammlung in Hannover führten sie zu unnötigen Wiederholungen und kosteten viel Zeit. Umso erstaunlicher sind die teilweise sehr konkreten Selbstverpflichtungen, mit denen wir auseinandergingen. Wenn sie umgesetzt werden (im kirchlichen Arbeitsrecht, im Umgang mit Donum Vitae, in konkreten Schritten auf Menschen zu, die in erster Ehe scheiterten, im Blick auf die Armen), dann nimmt die Kirche ihre Verantwortung nach innen und außen deutlicher wahr als bisher. Es lohnt sich dranzubleiben.