Dienstag, 23. März 2021

Stellungnahme des Katholikenrats im Bistum Speyer zur Note der Kongregation für die Glaubenslehre zur Segnung von Personen gleichen Geschlechts vom 15. März 2021

Die am 15. März 2021 veröffentlichte Note der Kongregation für die Glaubenslehre widmet sich der Frage, ob die Kirche die Vollmacht habe, Verbindungen von Personen gleichen Geschlechts zu segnen. Diese Frage wird verneint. Die Glaubenskongregation gibt dabei den Stand der kirchlichen Lehre wieder, wie er sich in mehreren römischen Dokumenten spiegelt.

Nach der Veröffentlichung der Glaubenskongregation erleben die Mitglieder des Katholikenrats im Bistum Speyer viele Rückmeldungen, die ihr Unverständnis und ihre Enttäuschung über die Aussage der Erklärung äußern. Auch der BDKJ des Bistums Speyer hat sich hierzu geäußert. Wir nehmen wahr, wie viele gläubige Menschen enttäuscht und verletzt sind, keineswegs nur unmittelbar Betroffene. All das nehmen die Mitglieder des Katholikenrats im Bistum Speyer sehr ernst. Wir treten dafür ein, dass alle Paare den Segen empfangen, um den sie bitten. In diesem Sinn unterstützen wir auch die klare Positionierung von unserem Generalvikar Andreas Sturm.

Nicht von ungefähr gibt es in Deutschland und in anderen Teilen der Weltkirche seit längerem Diskussionen, in welcher Weise diese Lehre und Lehrentwicklung allgemein mit tragfähigen Argumenten vorangebracht werden kann – auf der Basis grundlegender Wahrheiten des Glaubens und der Moral, der fortschreitenden theologischen Reflexion und ebenso in Offenheit für neuere Ergebnisse der Humanwissenschaften und der Lebenssituationen heutiger Menschen. Auf Fragen dieser grundlegenden Art gibt es keine einfachen Antworten.

Der Synodale Weg, den die Deutsche Bischofskonferenz gemeinsam mit dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken auf den Weg gebracht hat, ist deshalb bestrebt, das Thema gelingender Beziehungen in einer umfassenden Weise zu diskutieren, die auch die Notwendigkeit und die Grenzen kirchlicher Lehrentwicklung bedenkt. Der Katholikenrat im Bistum Speyer erneuert daher seine Unterstützung für den Synodalen Weg. Die von der Glaubenskongregation vorgebrachten Gesichtspunkte müssen und werden selbstverständlich in diese Gespräche Eingang finden.

Der Katholikenrat im Bistum Speyer erinnert in diesem Zusammenhang daran, dass – wenn in der katholischen Kirche mit Blick auf das Eheverständnis bei „irregulären Verhältnissen“ von „Sünde“ gesprochen wird – hiervon vermutlich die Mehrheit der Gläubigen betroffen ist: Denn es geht nicht nur um Homosexuelle, sondern auch um alle, die anders zusammenleben, also auch Geschiedene oder Unverheiratete.

Unsere Kirche befindet sich in einer existentiellen Krise. Hieraus gibt es keinen einfachen Weg. Wir sind jedoch überzeugt, dass die Kirche sich aus dem Spannungsverhältnis von Glaubenslehre und Glaubenssinn der Gläubigen weiterentwickeln kann und im Hören auf die Gläubigen ein wichtiger Schritt des gemeinsamen Weges besteht. Nur durch einen aufrichtigen, offenen Dialog wird unsere Kirche die Krise überwinden und das Evangelium auch künftig Menschen erreichen sowie seine frohmachende Wirkung entfalten. Diesen Dialog wird der Katholikenrat im Bistum Speyer auch in Zukunft konstruktiv und engagiert begleiten.

Speyer, den 22.03.2021
 

2021_03_22_Stellungnahme zur Note der Glaubenskongregation.pdf

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