Freitag, 08. Dezember 2017

Speyer war Vorreiter bei der Verankerung von Räten

Zum 50jährigen Bestehen: Viel Lob und Anerkennung für den Diözesan-Katholikenrat

Der Katholikenrat im Bistum Speyer besteht 50 Jahre. Die Feier zum Jubiläum des Laiengremiums am 2. Dezember im Heinrich Pesch Haus in Ludwigshafen stand unter dem Motto „Erneuerung nach vorne – Gelebte Synodalität in 50 Jahren Katholikenrat“. Von erfreulichen Entwicklungen war dabei die Rede, aber auch von „Frustrationssitzungen“.

In ihrer Begrüßung gibt die Vorsitzende des Katholikenrates Luisa Fischer die Leitlinie vor, wenn sie betont, dass „Heils- und Weltdienst nicht voneinander zu trennen sind“. Und sie fügt hinzu: „Der Katholikenrat hat das Selbstbewusstsein der Katholiken gestärkt und das Bistum mitgeprägt.“ Das lässt Luisa Fischer „hoffnungsfroh in die Zukunft schauen“ und macht ihr Mut zur weiteren Mitarbeit bei der „Erneuerung nach vorne“. Mehr als einmal wird während der Feier die Rolle des Katholikenrates gerade bei der pastoralen Neuausrichtung des Bistums in den zurückliegenden Jahres betont. Maria Faßnacht, Vorgängerin von Luisa Fischer im Amt der Vorsitzenden, hatte sich hier in besonderer Weise engagiert – und wird dementsprechend in Ludwigshafen mit viel Beifall bedacht. 

Zu Beginn des Festaktes gibt es zuerst einmal viel Lob und Anerkennung von Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann. Er zolle allen, die sich in den 50 Jahren im Katholikenrat engagiert und Zeugnis gegeben hätten, „hohen Respekt und großen Dank“, unterstreicht er und spricht von „Herzblut und Leidenschaft in so manchen Diskussionen“. Der Bischof verweist auf das „Miteinander und die Gemeinschaft“ in den vielen Begegnungen im Rahmen des Dialogprozesses und die guten und prägenden Erfahrungen bei den diözesanen Foren. Diesen partizipatorischen Weg wolle er mit dem Katholikenrat weitergehen und sieht darin eine Ermutigung, diesen eingeschlagenen Weg in der geplanten Diözesanversammlung auch institutionell zu verfestigen. Bischof Wiesemann macht bei der Ludwigshafener Jubiläumsfeier Mut „zur Beharrlichkeit im Zeugnis für Christus“ und zu einer gemeinsamen Sendung in einer zunehmend säkularisierten Welt – „der wir Christen mit unserem Glauben viel zu sagen und zu geben haben“.

Eine historische Stunde

In seinem Festvortrag knüpft Professor Dr. Joachim Schmiedl – Professor für Mittlere und Neue Kirchengeschichte an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Vallendar – an den Bericht über die konstituierende Sitzung des Speyerer Katholikenrates 1967 in Kaiserslautern an. Domkapitular Otto Wokart, der erste „Geistliche Assistent“ des Laiengremiums, das damals noch Diözesanrat hieß, sprach damals von einer „historischen Stunde“, wie dem Protokoll der Sitzung zu entnehmen ist. Das Konzil komme nach Speyer, wird Wokart im Protokoll zitiert – mit dem Aufruf an Priester und Laien zur „Erneuerung nach vorne“. Schon bei der Gründung wird die Aufgabe der Laienvertreter deutlich, Brücke der Kirche in die Welt zu sein.

Wirkkraft des Konzils

Der Kirchenhistoriker Schmiedl, der auch Herausgeber der Reihe „Europas Synoden nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil“ ist, beleuchtet in einem Exkurs die lange Tradition des katholischen Vereinswesens in Deutschland, das sich mit den Piusvereinen noch vor den deutschen Bischöfen im Umbruchjahr 1848 zu Wort gemeldet hatten. Er behandelt auch die Frage der Unabhängigkeit der Laiengremien von den Bischöfen, ihre nicht immer konfliktfreie Positionierung im Raum der Kirche und den Aufbruch im Zusammenhang mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil, das dem Laienapostolat eine neue  Gewichtung gab. Gemeinsam die Zeichen der Zeit zu erkennen, geschwisterliches Verhältnis, gegenseitiges Vertrauen – das sind für Professor Schmiedl bis heute Kernbegriffe im Verhältnis zwischen Laien und Priestern.

Auf Strukturreformen reagieren

Im Rahmen der Umsetzung der Konzilsbeschlüsse hatten die deutschen Bischöfe bei ihrer Frühjahrsversammlung des Jahres 1967 beschlossen, „in allen Diözesen Räte des Laienapostolats zu bilden gemäß den Bestimmungen des Dekrets über das Apostolat der Laien des Zweiten Vatikanischen Konzils“.

Die Diözese Speyer sei „Vorreiter bei der Verankerung der Räte gewesen“, unterstreicht Professor Schmiedl. In der Tat wurde nur wenige Monate nach dem Beschluss der Bischofskonferenz am 1. Juli 1967 in Kaiserslautern der Speyerer Katholiken- bzw. Diözesanrat gegründet. 

Auf die Frage, wie es nach 50 Jahren weitergeht, rät Schmiedl dem Katholikenrat, angesichts der Strukturreformen neu zu überprüfen, wen das Laiengremium repräsentiert und hier auf „aktuelle Aufbrüche“ zu reagieren. Und er macht Mut, mit Blick auf die Grundfunktionen der Kirche verstärkt die Diakonia, den Dienst am und für die Menschen, in den Blick zu nehmen. So hat in seinen Augen das Eintreten für Flüchtlinge und die Flüchtlingsarbeit viele Distanzierte der Kirche wieder näher gebracht.

Aufbruch, Frustration und Erneuerung

Persönliche Betrachtungen zu „50 Jahre Katholikenrat“ bieten nach dem Vortrag aus der Sicht unterschiedlicher Generationen Hans Kühn, Irene Wimmi und Andreas Ganter. Hans Kühn – heute 93 Jahre alt – hat als langjähriger Leiter der Diözesanstelle der Räte im Seelsorgeamt des Bistums Speyer die Arbeit der Räte von Anfang an begleitet und dokumentiert. Was kaum noch jemand weiß, darauf weist er in seinem Einwurf hin. Im Bistum Speyer konnte man bei der Gründung des Katholikenrates 1967 auf Überlegungen einer Bistumssynode aus dem Jahr 1957 aufbauen, und die dort konzipierte Idee von „Katholikenausschüssen“ wurde bereits ab 1962 ansatzweise umgesetzt. „Das Bistum Speyer hatte hier sogar etwas dem Konzil voraus“, sagt Hans Kühn schmunzelnd und erhält Beifall. „Die Gründung des Katholikenrates war für uns eine Stunde der Hoffnung, und für das Bistum ein Aufbruch“, ergänzt dann Hans Kühn wieder ganz ernst. Schwierige Situationen „mit Frustrationspotential“ verschweigt er nicht. So berichtet er von einer Kontroverse mit der Bistumsleitung bei der Erarbeitung von Satzungen für die kirchlichen Räte, die die Bistumsleitung über mehrere Entwürfe hinweg nicht habe akzeptieren wollen. So kam es im Jahr 1974 zu einer legendären „Frustrationssitzung“ des Katholikenrates. Aus dem Konflikt erwuchs dann doch noch „ein echter Schritt der Erneuerung“, so Hans Kühn.

Gemischte Gefühle

Irene Wimmi, fast zehn Jahre Mitglied des Katholikenrates, blickt zurück und stellt positiv fest, dass sie im Katholikenrat „keine Fraktionen“ erlebt habe. Die diözesanen Foren hätten dem Katholikenrat neue Aufmerksamkeit gebracht und das Gefühl: „Wir werden gebraucht“. Sie persönlich hat aber auch das Gefühl, dass manche Themen im Katholikenrat und seinen Ausschüssen noch intensiv diskutiert werden, und die Bistumsleitung „bereits auf einer anderen Spur ist“. Den gegenwärtigen Konflikt um die Bildungshäuser sieht sie in dieser Linie. Aufgefallen ist ihr – kritisch – auch die nicht unbeträchtliche Zahl der hauptamtlichen Theologen in dem Gremium, das auch Auswirkungen auf die „Sprachkultur“ im Katholikenrat hat, so Irene Wimmi.

Andreas Ganter war für den Bund der Deutschen Katholischen Jugend im Katholikenrat und arbeitet als Journalist. Daher macht er in seinen Einwurf im Heinrich Pesch Haus Anmerkungen zur Öffentlichkeitsarbeit des Katholikenrates. „Das Laiengremium muss Position beziehen und stärker nach außen wirken“, so sein Appell, „um auch die zu erreichen, die nicht in die Kirche gehen“.

Für die musikalische Umrahmung des Tages mit Klezmermusik sorgte das Musikduo „Shtetltov“.

Der Festakt klingt anschließend mit einer Dankandacht und einem Umtrunk aus, ein guter Ort für Gespräche, die sich die Katholikenratsvorsitzende Luisa Fischer in ihrem Schlusswort gewünscht hatte.

Festvortrag Prof. Schmiedel (pdf-Datei)

Bilder des Festaktes

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