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Eine insgesamt neunköpfige Delegation aus dem Bistum Speyer nahm vom 13. und 14. September am dritten Gesprächsforum der Deutschen Bischofskonferenz in Stuttgart tei. Im Mittelpunkt stand das Thema "Liturgie". In ihren Statements beschreiben sie kurz ihren Eindruck von dem Treffen.

v.l.n.r.: Weihbischof Otto Georgens, Isabelle Gayer, Felix Goldinger, Maria Faßnacht, Alfred Lenz, Marcella Hien, Diakon Paul Nowicki, Luisa Fischer, Dekan Peter Nirmaier

 

Maria Faßnacht: Halbzeit beim bundesweiten Dialogprozess. Ich kann nicht verhehlen, dass ich nach dem für mich sehr optimistischen Start in Mannheim 2011 und dem Hannover-Treffen 2012 inzwischen ungeduldig werde. Eine gute Gesprächskultur, die auch dieses Jahr wieder zweifellos zu spüren war, allein reicht nicht. Die Beschäftigung mit der Liturgie war gut und notwendig, denn unsere Zeit braucht Gottesdienste in vielen verschiedenen Formen, in denen die Lebenswirklichkeit der Menschen vorkommt. Ich befürchte allerdings, dass noch so gut gestaltete Gottesdienste nicht diejenigen Menschen erreichen, die sich nicht mehr mit unserer Kirche identifizieren können. Deshalb ist es unbedingt notwendig, das erklärte Ziel des Dialogprozesses nicht aus den Augen zu verlieren: Die Kirche muss sich den Herausforderungen unserer Zeit stellen, verlorenes Vertrauen wieder gutmachen und neu Stahlkraft gewinnen.

Luisa Fischer: Wenn über 300 Katholiken sich auf den Weg machen, den Glauben im Heute zu verankern, die vielfältigen Formen der Liturgie nicht nur zu thematisieren sondern auch feiern und wertschätzen zu wollen, dann reicht ein einfaches Gespräch nicht aus. Dann braucht es einen echten Dialog, an dessen Ende aus Reden Handeln wird. Darauf hoffe ich, auch weil ich weiß, wie viel in unserer Diözese, den Pfarreien und (Jugend-)Verbänden darauf hingearbeitet wird.

Isabelle Gayer: Als Neuling in der Delegation war ich gespannt, was mich erwarten würde. Erfreut hat mich, dass es zu vielen Gesprächen und Diskussionen kam (in Gesprächsgruppen und im informellen Austausch). Dabei zeigte sich, dass es Vielen ein Anliegen ist, dass die katholische Kirche offener und einladender wird und dass sich besonders die Liturgie an die jeweilige Zielgruppe und die örtlichen Gegebenheiten anpassen muss. Zum Beispiel durch die Sprache und durch unterschiedliche Gestaltung. Mir fehlte ein konkretes Ziel, auf das hingearbeitet wurde, bzw. die Information, wie mit den erarbeiteten Ergebnissen umgegangen wird. Schade fand ich auch, dass die tagsüber diskutierte liturgische Vielfalt nicht direkt praktisch ausprobiert wurde.

Felix Goldinger: Zu Beginn des dritten Gesprächsforums der deutschen Bischofkonferenz bekamen wir Delegierte die Möglichkeit, unsere Themen zu benennen. Dazu zählten beispielsweise die Verständlichkeit der liturgischen Formen und ihrer Sprache, die Laienpredigt oder der Sakramentenempfang für wiederverheiratet Geschiedene. Leider wurden aber im weiteren Verlauf des Forums keine konkreten Vereinbarungen getroffen. Der zögerliche Umgang mit Veränderungen in diesen Bereichen macht mich ungeduldig. Das Gesprächsforum darf meiner Ansicht nach nicht beim Austausch von (bereits bekannten) Positionen stehen bleiben. Dennoch vertraue ich auf die Zusage der (anwesenden) Bischöfe, die Fragen weiter zu bearbeiten und zu konkreten Ergebnissen zu führen. Ich habe eine große Bereitschaft aller Teilnehmenden wahrgenommen, das Gespräch in unserer Kirche fortzuführen: Der Dialog ist alternativlos!

Alfred Lenz: Aufbruchstimmung vorbei? Der 20101 in Mannheim hoffnungsvoll begonnene Prozess des Dialogs im deutschen Katholizismus droht zu scheitern: keine Vorlage der von den Bischöfen zugesagten Erklärung zum Umgang mit Geschiedenen-Wiederverheirateten, pastoral und arbeitsrechtlich, auch in Stuttgart keine konkreten Ergebnisse oder wenigstens Formulierung von Zielvorstellungen, nachlassende Dynamik in den Diskussionen, zwar aufwendiger Rahmen des Treffens, aber statt Dialog unverbindliche Gespräche und teils langatmiger Austausch von Meinungen. Sprechen deshalb viele Bischöfe nur noch vom Gesprächs- statt Dialogprozess? Insgesamt ein enttäuschendes Forum.

Paul Nowicki: Eine Kultur des offenen und vertrauensvollen Gesprächs war auch am dritten, des auf fünf Treffen festgelegten Gesprächsprozesses der Deutschen Bischofskonferenz zu spüren. Doch wenn ich diesen Tagen eine Überschrift geben soll, so müsste diese lauten: Dialog mit offenen, noch nicht erfüllten Versprechen. So folgte z.B. dem vielbeachtetem Wort des Essener Bischofs Franz-Josef Overbeck am Anfang des Gesprächsprozesses, dass die Kommunionbank nicht zur Gerichtsbank Gescheiterter werden solle, kein Zwischenbericht aus den Kommissionen, die über den Umgang mit Geschiedenen Wiederverheirateten beraten.
Einig waren wir uns bezüglich des Tagungsschwerpunktes, dem Thema Liturgie. Der reiche Schatz der nicht eucharistischen Gottesdienstformen sollte stärker bekannt gemacht und um zusätzliche Formen erweitert werden. Auch die aktive Beteiligung der Gottesdienst-Feiernden soll durch neue Aufgaben und Ämter gefördert werden. Doch es blieb nur ein Hinweis, dass die eine oder andere der schönen und tiefgehenden Liturgien während der Tagung von den anwesenden Frauen- oder Jugendverbänden hätte gestaltet werden können.
Die gute Gesprächsatmosphäre lässt hoffen, dass im weiteren Dialogprozess der Weg vom Hören zum Handeln schneller zurückgelegt werden kann.