Joomla 3.0.2

[Im Gespräch: Die Vertreter/-innen aus der Diözese Speyer] „Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“, heißt es bei dem Dichter Hermann Hesse. Wenn diese Zeile stimmt, dann müssen die rund 300 Teilnehmer des Gesprächsforums „Im Heute glauben“, das am 9. Juli in Mannheim zuende ging, fürwahr verzaubert gewesen sein. Von neuen Aufbrüchen, geöffneten Türen und einzigartigen Erfahrungen war da gleich mehrfach die Rede.
Bemerkenswert daran schien vor allem die Tatsache, dass diese Einschätzung von Bischöfen und Laien gleichermaßen geteilt wurde. Der offizielle Auftakt der von den Oberhirten angestoßenen Dialoginitiative zur Zukunft der Kirche in Deutschland: Er hätte offenbar besser kaum
laufen können.

Doch wer genauer hinhörte, spürte bei aller Freude über einen neuen Kommunikationsstil zwischen Amtsträgern und Kirchenvolk auch Differenzen. Gemeinsam hat man sich auf den Weg gemacht – wohin, das steht freilich noch nicht so richtig fest.

 

Während der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, zu Geduld mahnt und darauf verweist, dass es sich um eine auf mehrere Jahre angelegte Initiative handelt, drängen Laienvertreter wie Alois Glück auf konkrete Veränderungen in naher Zukunft. Der Chef des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) warnt vor einer „Kultur der Folgenlosigkeit“. Wenn die Fragen etwa einer stärkeren Beteiligung von Laien an kirchlichen Leitungsaufgaben nicht ernsthaft angegangen würden, sei eine „neue Welle der Frustration“ zu befürchten.

Immerhin: Dass es an der Zeit ist, überkommene Gewohnheiten zumindest zu hinterfragen, sehen auch die meisten Bischöfe so. Zu schwer wiegt die Hypothek aus dem Missbrauchsskandal des vergangenen Jahres, der, so der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck, „die dunkelste Seite unserer Kirche“ offenbarte. Die für den Dialog eingesetzte „Steuerungsgruppe“ der Bischofskonferenz zeigte sich zumindest bei der abschließenden Pressekonferenz schon einmal flexibel. Das Gremium, bestehend aus Zollitsch und Overbeck, den Bischöfen Franz-Josef Bode (Osnabrück) und Kardinal Reinhard Marx (München) sowie dem Sekretär der Bischofskonferenz, Jesuitenpater Hans Langendörfer, bat kurzerhand

 

weitere Teilnehmer aufs Podium – nachdem zuvor Kritik laut geworden war, dass nur Bischöfe über die Ergebnisse des Treffens referierten. Zuvor hatten beide Seiten zwei Tage lang in 39 Kleingruppen mit wechselnder Besetzung ihre Ansichten ausgetauscht, auch zu den sogenannten „heißen Themen“. Zwar sollen dem Vernehmen nach manche der Oberhirten Schwierigkeiten gehabt haben, ihr Leitungsamt für einen Moment beiseite zulassen. Aber insgesamt lautete das Urteil über die Diskussionen: Auf Augenhöhe, ohne Tabus – aber mit Tiefgang. Am Ende standen 39 Wünsche auf den Flipcharts im Raum: Von dem etwas abstrakten Verlangen nach einer „Pastoral der Barmherzigkeit“ bis zu einer gleichwertigen Anerkennung von wiederverheirateten Geschiedenen.
Bloß: Was wird nun aus diesen und anderen Forderungen, die teilweise schon seit über 30 Jahren vorgetragen werden? Zollitsch kündigte an,
dass die Bischöfe auf ihrer nächsten Herbstvollversammlung die Ergebnisse des Mannheimer Treffens beraten. Bereits vorher – Mitte August – wird die Steuerungsgruppe den Papst über einen ersten Zwischenstand informieren. Noch einmal warb Zollitsch um Geduld und bat um Verständnis, dass manche Fragen ohne Rom nicht lösbar seien. Auch ein Vorsitzender der Bischofskonferenz kann eben nicht zaubern.
Stimmen zum Dialogprozess

Sprachfähig für den Glauben werden
Die Dialogveranstaltung in Mannheim war sehr ermutigend. Es gab eine gute und offene Gesprächsatmosphäre, in der sehr vieles, auch sehr kontroverses, angesprochen wurde, das nun von Seiten der Bischöfe in die Bischofskonferenz und von Seiten der Teilnehmer in ihre jeweiligen Bereiche getragen werden soll. Die Veranstaltung war methodisch sehr gut vorbereitet und durchgeführt, so dass die Teilnehmer wirklich über die wichtigen Fragen, die sie bewegen, und über ihre Hoffnungen im Hinblick auf die Kirche ins Gespräch kommen konnten.
Für mich war am wichtigsten, dass wir uns Zeit genommen haben, auch nach den Quellen unseres Glaubens zu fragen und einander von unseren Glaubensgeschichten zu erzählen. Denn, das ist klar geworden, eine der wichtigsten Herausforderungen für die Zukunft ist, dass wir sprachfähiger über unseren Glauben werden, dass wir einander immer besser zuhören und miteinander immer mehr auf das Wort Gottes hören lernen müssen, um die richtigen Antworten zu finden. Die Veranstaltung war von einem hohen Respekt voreinander und einer großen Wertschätzung füreinander auf allen Ebenen geprägt. Alles in allem: ein sehr ermutigender Beginn!
Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann

Ein Abenteuer des Geistes Gottes
Ich bin froh, dass ich am Gesprächsforum in Mannheim teilgenommen habe. Es war ein Abenteuer des Geistes Gottes, zu dem die Bischöfe eingeladen hatten. Bei allen Bedenken im Vorfeld, sie waren letztlich unbegründet. Das Gespräch im Stuhlkreis und die professionelle Moderation trugen wesentlich zur positiven Atmosphäre bei, die an beiden Tagen spürbar war. Es war wirklich ein Dialog „auf Augenhöhe“. Das ermutigt mich, mit den Schwestern und Brüdern die nächsten Schritte zu gehen und einen neuen Aufbruch zu wagen.
Weihbischof Otto Georgens

Partnerschaftliche Kirche
Positiv überrascht hat mich die gute Atmosphäre. 34 Stuhlkreise mit immer wieder wechselndem Personenkreis ermöglichten, dass Bischöfe und Laien auf Augenhöhe diskutieren konnten. Positiv nehme ich mit, dass alle Themen, auch strittige, offen und fair ausgesprochen werden konnten. Ich habe die anwesenden Bischöfe (leider fehlten eine Reihe von Bischöfen, vielleicht gerade diejenigen, die einem Dialogprozess in der Kirche reserviert gegenüberstehen) als aufmerksame Zuhörer erfahren. Meine Skepsis geht jetzt dahin, ob in absehbarer Zeit Konsequenzen erfahrbar sind. Wenn diese Chance vertan wird, befürchte ich eine noch größere Resignation unter den Gläubigen.
Im Hinblick auf unser Bistum mit seinen Veränderungen in Bezug auf „Gemeindepastoral 2015“ möchte ich die in Mannheim oft zitierte „Partizipation“ herausstellen: Ich wünsche mir eine partnerschaftliche Kirche, in der Laien – Männer wie Frauen – stärker in Leitung und Entscheidungen einbezogen werden – und zwar nicht aus einer Notlage heraus, sondern weil Taufe und Firmung sie zum allgemeinen Priestertum befähigt. Nur so kann auf Dauer Kirche in unseren Gemeinden lebendig bleiben.
Maria Faßnacht, Vorsitzende des Diözesan-Katholikenrates und Mitglied im Zentralkomitee der Deutschen Katholiken

Athomsphärisch
Mir hat die gute und offene Gesprächsatmosphäre gut gefallen, das Aufeinanderachten und Aufeinanderhören. Dadurch kamen auch alle derzeit brisanten Themen zur Sprache. Es bleibt spannend, wie in der Folge damit umgegangen wird. Dass das Treffen folgenlos bleibt, war die größte Befürchtung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die sehr engagiert und aus Liebe zu unserer Kirche miteinander über die Zukunft dieser Kirche diskutierten.
Dekan Peter Nirmaier, Mitglied des Speyerer Priesterrates

Hoffnung auf Dynamik
Das Gesprächsforum in Mannheim war ein guter und hoffnungsvoller Start in den Prozess der nächsten Jahre. Es war wichtig, in einem Klima der Offenheit und Ehrlichkeit, die Themen benennen zu können, die für eine zukunftsfähige Kirche von Bedeutung sind. Ich erwarte, dass die Dynamik, die das Treffen in Mannheim entwickelt hat, nun von den Bischöfen aufgegriffen wird. Ich bin sicher, dass dann aus dem gegenseitigen Kennenlernen ein gemeinsames, verbindliches Weiterentwickeln der katholischen Kirche in Deutschland werden kann.
Felix Goldinger, Mitglied im Vorstand des Diözesan-Katholikenrates

Dringlichkeit von Reformen erkannt
Die Bewertung der Veranstaltung insgesamt ist für mich zwiespältig, denn einerseits wurden offen und teils sehr konkret alle Problemfelder, die einer Neuorientierung bedürfen, angesprochen, andererseits überwog bei der Mehrzahl der Anwesenden die Skepsis, ob in den wesentlichen Anliegen von den Bischöfen Reformen gewollt sind. Das wichtigste Ergebnis: dass die Dringlichkeit von Reformen in großer Einmütigkeit herausgestellt wurde, wenn die Kirche bei der Mehrzahl ihrer Mitglieder und in der Gesellschaft an Glaubwürdigkeit und Überzeugungskraft gewinnen will.
Alfred Lenz, Katholikenrats-Mitglied und Mitglied im Vorstand des Pastoralrates

Brennende Fragen im Blick
Allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern war es wichtig, dass es mit unserer Kirche gut weitergeht und die Frohe Botschaft Jesu in der Welt von heute verstanden werden kann. Jetzt müssen auf Worte Taten folgen!
Das wichtigste Ergebnis für mich ist der erkennbare Wille der anwesenden Bischöfe (leider nur zehn von 27) zum Dialog. Das bedeutet: partnerschaftlich, respektvoll und offen um Antworten auf brennende Fragen zu ringen, die die Menschen erreichen und ihnen in ihrer heutigen Lebenssituation gerecht werden. Es war wichtig, in einem Klima der Offenheit und Ehrlichkeit, die Themen benennen zu können, die für eine zukunftsfähige Kirche von Bedeutung sind. Ich erwarte, dass die Dynamik, die das Treffen in Mannheim entwickelt hat, nun von den Bischöfen aufgegriffen wird.
Helga Schädler, Katholikenrats-Mitglied und Mitglied im Zentralkomitee der Deutschen Katholiken

Zukünftige Gestalt der Kirche
Es gelang in mehreren Schritten, eine gute Analyse des Ist-Standes der Kirche zu erarbeiten, die dann einfloss in die drängenden Fragen der zukünftigen Gestalt und den Herausforderungen unserer Kirche. Eine mir wichtige Zukunftsvision ist, dass die Kirche gesellschaftlich initiativ, auf die Menschen zugeht und politisch präsent, wirksam ist und wird, gespeist aus der Verantwortung aus Glaube und Evangelium. Kardinal Reinhard Marx versprach der Versammlung, dass die Arbeitsergebnisse in die Bischofskonferenz eingebracht werden und der Dialog unter der Berücksichtigung der großen drei Themenblöcke (Glaube leben und ausdrücken; Umgang mit Scheitern Wiederverheiratete-Geschiedene –; Partizipation) vorangetrieben wird.
Diakon Andreas Welte

Miteinander nach Wegen suchen
In Mannheim sind 300 glaubende Menschen über ihre Freuden und Sorgen, ihre Visionen und ihre Ängste in Dialog getreten. Dabei zeigte sich, dass wir, auch wenn wir aus sehr unterschiedlichen kirchlichen Zusammenhängen und Verantwortlichkeiten kommen, von oft ähnlichen Motivationen bewegt werden und in gleicher Ernsthaftigkeit um gute Wege für die Kirche ringen. Dass wir uns im Alltag darin manchmal als „Gegner“ erleben, verlor dabei an Bedeutung. Wenn diese Art des Miteinandersuchens in die Kirche hinein ausstrahlt – und dafür werden nicht ausschließlich die Bischöfe Verantwortung zu tragen haben –, dann können konkrete Entscheidungen wachsen. Gemeinsam war uns auch die Einschätzung, dass das sehr bald geschehen muss. Für die nächsten Etappen im Dialog hoffe ich, dass die Orte gefunden werden, an denen der Dialog den sehr verschiedenen Lebenswirklichkeiten der Menschen in Deutschland je ein Stück näher kommt.
Irene Wimmi, Mitglied im Vorstand des Speyerer Katholikenrates

Aus: der "pilger"

Alois Glück: „Vieles wäre auch ohne Rom möglich“
Die Erschütterungen des Jahres 2010 haben die Situation der Kirche in Deutschland nach innen und nach außen verändert. Es zeigt sich schon jetzt: Fragen, die man 20, 30 oder mehr Jahre tabuisiert hat, lassen sich nicht mehr einfach wegdrücken.
Es gibt sehr viele Dinge, die man hier auf den Weg bringen könnte ohne eine Änderung des Kirchenrechts, etwa alle Fragen einer gemeinsamen Kultur der Verantwortung bis hin zu der Beauftragung von Laien in Führungs- und Leitungsaufgaben. Ich halte es für falsch, zwischen einer Vertiefung des Glaubens und einer Veränderung von Strukturen zu trennen. Nur mit neuen Strukturen wird nichts oder nur wenig besser. Aber auf der anderen Seite ist eine reine Verinnerlichung ohne eine Veränderung von Strukturen auch nicht der richtige Weg. Beides gegeneinander auszuspielen, wäre fatal.
Aus einem Interview der Katholischen Nachrichtenagenur (KNA)

Erzbischof Robert Zollitsch: „Wir brauchen den langen Atem“
Ich war sehr angetan, mit welcher Offenheit wir unsere Hoffnungen, Fragen und Probleme in Mannheim besprechen konnten. Ich habe gespürt: Da wächst eine neue Kommunikations- und Sprachfähigkeit in unserer Kirche in Deutschland.
Was konkret dem Menschen unter den Nägeln brennt? Beispielsweise die Seelsorge für wiederverheiratete Geschiedene. Ein weiteres Thema ist die Frage nach einer stärkeren Rolle der Frau in der Kirche oder wie wir das Verhältnis von Priestern und Laien künftig ausgestalten. Und es gibt zugleich die sehr grundlegende Frage: Wie verkünden wir heute Gott und den Glauben und wie verkünden wir das der Jugend? Das alles sind wichtige Sachfragen, denen wir uns auch stellen werden.
Manche sind ungeduldig, ja. Aber wir brauchen den langen Atem. Denn es geht ja um sehr wichtige, entscheidende Dinge. Und da müssen wir uns diese Zeit nehmen. Solche Fragen löst man nicht mit einem Schnellschuss.
Ich wünsche mir eine junge Kirche, die dann sagt: „Wir brechen auf in die Zukunft und es gelingt uns, möglichst Vielen das Evangelium als Grundlage des Lebens zu vermitteln und damit den Menschen Hoffnung und Zukunft zu geben.

Aus einem Interview der KNA

July 2016
S M T W T F S
26 27 28 29 30 1 2
3 4 5 6 7 8 9
10 11 12 13 14 15 16
17 18 19 20 21 22 23
24 25 26 27 28 29 30
31 1 2 3 4 5 6

glfa logo mit text final